Die Weichmacher. Das süße Gift der Harmoniekultur by Thomas Vasek

By Thomas Vasek

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Allerdings frage ich mich heute, ob es nicht auch ganz anders hätte lau­ fen können. Vielleicht hätte der Pessimist aus purer Wut noch mal richtig Gas gegeben. Und vielleicht hätten wir ge­ nau in der damaligen Situation, in der sich die Zeitschrift be­ fand, einen derart unverblümten Kritiker gebraucht. Tatsache ist jedenfalls, dass die Zeitschrift wenige Monate später eingestellt wurde. Viele Psychologen bezweifeln heute, dass zufriedene Men­ schen zwangsläufig produktiver und erfolgreicher sind.

Newman. Für eine ak­ tuelle Untersuchung haben sie 100 Einzelstudien ausgewer­ tet, um den Einfluss der emotionalen Intelligenz auf die Arbeitsleistung zu untersuchen. Dabei kamen sie zu einem ernüchternden Ergebnis. Zwar lassen sich 15 Prozent der Leistungsunterschiede auf emotionale Intelligenz zurückfüh­ ren. Allerdings ist die konventionelle, kognitive Intelligenz min­destens genauso wichtig – und sie sagt die A ­ rbeitsleistung auch um ein Vielfaches besser voraus. Anscheinend hängt die Bedeutung emotionaler Kompetenzen stark von der Art der Arbeit ab.

Weichmacher werden nicht wütend. Nicht mal schreiende Ungerechtigkeit bringt sie in Rage. Selbst persönliche An­ griffe versuchen sie, »nicht persönlich« zu nehmen. Die Fol­ge sind Personalgespräche, die an therapeutische Sitzungen ­erinnern – und Meetings, die ablaufen wie Kuschelpartys. Ohne negative Gefühle, ohne jegliche Aggression – und häu­ fig ohne jede Leidenschaft. Man weiß deshalb immer, wie sol­ che Sitzungen ablaufen werden. Aber man weiß nie, was wirk­lich Sache ist. Das Heimtückische der emotionalen In­ telligenz besteht darin, dass wir uns ihrem Charme kaum ent­zie­hen können.

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