Die vierte Schwester (Roman) by Kate Atkinson

By Kate Atkinson

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Es spielte keine Rolle, wie viele Babys sie bekam, sie konnte Jahr für Jahr eins werfen wie eine Kuh (obschon sie sich umbringen würde, wenn sie es täte), aber keins von ihnen würde je den makellosen Raum des Gästezimmers in Besitz nehmen. Es war sauber, es war unberührt, es gehörte ihr. Der Dachboden wäre noch besser. Sie könnte Dielen legen und die Wände weiß streichen und eine Falltür einbauen lassen. Dann könnte sie hinaufsteigen, die Falltür zuziehen wie eine Zugbrücke, und niemand würde sie finden.

Olivia war die Jüngste und schlief deshalb zurzeit in dem kleinen rückwärtigen Zimmer mit der Tapete mit den Kinderreimabbildungen darauf, ein Zimmer, das sie alle einmal belegt hatten und aus dem sie der Reihe nach wieder vertrieben worden waren. Olivia, so niedlich wie ein Kätzchen, darin waren sich alle einig, sogar Julia, die lange gebraucht hatte, um darüber hinwegzukommen, dass sie nicht mehr das Nesthäkchen war, eine Position, die sie vor Olivias Ankunft fünf befriedigende Jahre eingenommen hatte.

Julia war eine unruhige Schläferin: Sie redete und wandelte im Schlaf, sie zerwühlte die Laken und wachte auf dramatische Weise auf, starrte mit aufgerissenen Augen auf ein Phantasiebild, das verschwunden war, bevor sie es festhalten konnte. Manchmal war ihr Schlaf so opernhaft, dass sie einen Asthmaanfall heraufbeschwor und in Todesangst erwachte. Julia konnte eine sehr lästige Person sein, meinten Amelia und Sylvia übereinstimmend; sie hatte eine verwirrend quecksilbrige Persönlichkeit – trat und schlug im einen Augenblick zu und gurrte und küsste scheinheilig im nächsten.

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